Das Bundeskriminalamt (BKA) beobachtet derzeit eine neue Form der Kriminalität: Geldwäsche 2.0. Betrüger verleiten Bankkunden, ihre Konten für kriminelle Handlungen zu missbrauchen. Die Zahl der Verdachtsanzeigen steigt rasant an.
Frankfurt –
Es klingt zu schön, um legal zu sein: „Beste Verdienstmöglichkeit mit wenig Arbeit“ − mit solchen Jobangeboten versuchen Betrüger ahnungslose Inhaber eines Bankkontos für eine Tätigkeit als Finanzagent zu gewinnen. Der Finanzagent, der in E-Mails und Internetauftritten scheinbar seriöser Unternehmen auch mal als „Finanztransaktionsmanager“, „Regional Manager für Zahlungsbearbeitung“ oder „Treuhandagent“ bezeichnet wird, müsse lediglich ein Konto für Überweisungen parat halten.
Die dort eingehenden Beträge gelte es umgehend per Bargeldversand oder über einen Dienstleister wie Western Union an einen Empfänger im Ausland zu transferieren. Der Lohn: eine Provision zwischen fünf und 20 Prozent. Das Problem dabei: Das Risiko ist groß, dass der Wunsch nach dem schnellen Euro aus einem harmlosen Kontoinhaber flugs einen Geldwäscher macht.
Die Spuren verlieren sich
Die Kriminalpolizei warnt daher an immer prominenterer Stelle im Internet, auf ihrer Seite
www.polizeiberatung.de, vor dieser Masche, die immer größere Bedeutung gewinne. Wie das Bundeskriminalamt (BKA) und das Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) gemeinsam berichteten, gab es seit Inkrafttreten des Geldwäschegesetzes im Jahr 1993 noch nie so viele Verdachtsanzeigen wie 2010 − und 3086 der insgesamt 11.042 Verdachtsanzeigen, also ein gutes Viertel, würden Finanzagenten betreffen. „Wir können davor nur warnen“, sagte Bafin-Exekutivdirektor Michael Sell. „Das sind diejenigen, die am Ende der Nahrungskette sitzen. Die kriegt man fast immer.“
Die Drohgebärde des Behördenchefs kommt nicht von ungefähr: Die Fälle, in denen Finanzagenten eine Rolle spielten, stiegen binnen Jahresfrist um 29 Prozent, also um fast ein Drittel, heißt es im Jahresbericht 2010 der Financial Intelligence Unit des BKA zur Geldwäsche − und nicht jeder, der sein Girokonto zur Waschanlage missbrauchen ließ, war ahnungslos.
Besonders schwierig wird es, den Tätern auf die Schliche zu kommen, wenn das Geld nicht mehr eins zu eins weitergeleitet wird, sondern sich die Spuren über den Online-Handel verlieren, berichtete BKA-Präsident Jörg Ziercke. Denn immer öfter würden die Finanzagenten von dem eingehenden Geld hochwertige Produkte wie Computer, Mobiltelefone oder TV-Geräte erwerben − und schickten diese gegen eine Provision an Adressen weiter, die von den Hintermännern vorgegeben würden. Oder aus Bargeld wird E-Geld. Das geht so: Der Finanzagent kauft Prepaid-Karten. Nun muss er nur noch einem Online-Komplizen per SMS oder E-Mail die Codenummer übermitteln, und schon kann dieser das Geld für sich verbuchen. Solche Zahlungen hinterließen keine Papierspur mehr, sagen Ziercke und Sell über die Geldwäsche 2.0.
Immer mehr Phishing-Fälle
Die Ursache für die wachsende Bedeutung von Finanzagenten in den Ermittlungsverfahren sehen BKA und Bafin im „signifikanten Anstieg“ der Phishing-Fälle beim Online-Banking. Deren registrierte Zahl hat sich 2010 um 82 Prozent auf 5331 erhöht, „und in der Folge ist der Bedarf an Finanzagenten gestiegen“. Phishing bezeichnet das Abschöpfen von Kontodaten im Internet.
In ihrer Ermittlungsarbeit profitieren die Behörden offenbar von Banken und Versicherungen, die wachsamer geworden seien und häufiger Verdachtsfälle melden würden. Der BKA-Statistik zufolge lässt sich allerdings bei weniger als der Hälfte der Fälle (44 Prozent) später der Verdacht einer Straftat erhärten.
Der größte Teil der tatsächlichen Straftaten entfiel dabei mit einem Drittel (33 Prozent) auf Betrugsdelikte. Verknüpfungen zum Terrorismus gab es laut Jahresbericht nur bei einem verschwindend geringen Anteil: bei 124 Verdachtsanzeigen, von denen am Ende nur neun zur Einleitung von Ermittlungsverfahren führten.
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